In den Kirchenordnungen der evangelisch-protestantischen Kirchen ist die Gemeindeversammlung eine vorgeschriebene "Pflichtveranstaltung". Sie gehört zum basis-demokratischen Selbstverständnis einer jeden Kirchengemeinde.

Manche bezeichnen sie als "Parlament der Gemeinde"

Die Angaben rechts beziehen sich auf meine Heimatkirche im Rheinland (EKiR) und meine neue Wohnortkirche in Berlin (EKBO).

Und dennoch ist sie in der Regel ein "Aschenputtel" unter den Angeboten der Gemeinde.

Keiner kümmert sich wirklich und zielorientiert  um die "Prinzessin Gemeindeversammlung" - und "Prinzen der Veränderung" sind selten zu sehen ...

Im Folgenden finden Sie Vorschläge, um aus dem "Aschenputtel Gemeindeversammlung" eine "Prinzessin" zu machen. Wenn Sie ein "männliches" Beispiel haben, lassen Sie es mich bitte wissen ...

Ausgangspunkt meiner Überlegungen sind gute Erfahrungen mit dem "Markt der Möglichkeiten" auf Kirchentagen und den Foren sowie Workshops beim MISSIONALE.

  • Beteiligung der beruflich und ehrenamtlich Tätigen, die das Gemeindeleben aktiv gestalten. Sie sind aktiv-informativer Teil der Gemeindeversammlung.
    Also: Leiterinnen und Leiter der Gruppen sowie  beruflich Mitarbeitende mit ihrem Arbeitsbereich.
  • Gezielte und persönlich transportierte und formulierte Einladungen

Absicht ist es, die Teilnehmenden der Gemeindeversammlung mit den Themen vertraut zu machen und ebenso die Möglichkeit zu geben, die Angebote der Gemeinde näher kennenzulernen.

 

Artikel 35 Kirchenordnung EKiR
Das Presbyterium muss die Mitglieder und Mitarbeitenden der Kirchengemeinde mindestens einmal im Jahr zu einer Gemeindeversammlung einladen."

Artikel 28 Grundordnung EKBO
Der Gemeindekirchenrat lädt im Benehmen mit dem Gemeindebeirat mindestens einmal im Jahr zur Gemeindeversammlung ein.


 

 

 

Erweitern Sie die Begrifflichkeit und laden Sie ein zur

Gottesdienstlichen Gemeindeversammlung
mit Markt der Möglichkeiten in unserer Gemeinde
.

"Vorsprung durch Technik" ist ein Motto und "Geiz ist geil" war eine unmögliche Lebenseinstellung - doch: Wie könnte das Motto Ihrer nächsten Gemeindeversammlung lauten?

  • Gemeinsam auf dem Weg
  • Lösungen sind besser als Probleme
  • Wir schaffen es

Ein Motto dient der Motivation ... und erscheint dann in den Einladungen (s. unten).

   

Vorbereitung und Planung

Das Presbyterium legt den Termin (s. unten) und die Themen für die Gemeindeversammlung mit einem Vorlauf von drei Monaten fest - und auch den Termin des Auswertungstreffens.
Der Zeitraum ist mit dem jeweiligen Redaktionsschluss Ihres Gemeindebriefes zu kordinieren.

Die Mitglieder des Presbyteriums haben eine Liste der beruflich und ehrenamtlich tätigen Mitarbeitenden vorliegen (s. rechts) - und somit eine Übersicht über die Angebote der Gemeinde.

Sie verabreden, wer wen telefonisch und persönlich (sehr wichtig!) zur Mitgestaltung der "Gottesdienstlichen Gemeindeversammlung" und damit zum Markt der Möglichkeiten einladen wird.
Einen Leitfaden für die Telefonate finden Sie hier.

Ihr Ziel sollte es sein, dass mindestens 75% der Gruppen und Angebote Ihrer Gemeinde auf dem "Markt der gemeindlichen Möglichkeiten" vertreten sind.

Die "Amtshandlungen" als Angebote sollten durch Pfarrerin und Pfarrer vertreten sein.

 

Eine mögliche Liste der beruflich und ehrenamtlich tätigen Mitarbeitende finden Sie hier

 

Telefonieren

 

Termin und Zeit

Eine solche Gemeindeversammlung kann an einem Sonntag zur Gottesdienstzeit beginnen - muss aber nicht. Ein Abend in der Woche (Freitag?) ist auch möglich.

Gott und die Menschen werden Verständnis haben, wenn der "gottesdienstliche" Teil als kurze "Andacht" gefeiert wird.

Die "Gottesdienstliche Gemeindeveranstaltung" dauert 90 Minuten (s. Ablauf rechts) und sollte dann auch wirklich beendet sein - wichtig für 50% derer, die Sie einladen.

Eine anschließende Zeit zum Bleiben und Weiterdiskutieren ist davon natürlich unbenommen.

 

Der Ablauf ist zeitlich gut zu planen - die in der Einladung angegebene Zeit sollte unbedingt eingehalten werden.

Einen Entwurf finden Sie hier -
er ist auf Ihre Situation anzupassen ...

Ort und Raumplan

Ideal ist natürlich Ihre Kirche - wenn das Raumkonzept dies zulässt.

Das Gemeindehaus ist dafür wahrscheinlich eher geeignet.

  • Stellen Sie in die Mitte des Raumes weniger Stühle, als Sie Teilnehmende erwarten.
    15 Stühle zusätzlich zu stellen ist für Teilnehmenden emotional angenehmer als 30 leere Stühle vorzufinden.
  • An den runden Bistro-Tischen werden je zwei Mitglieder des Presbyteriums stehen.
  • Die Tische an den Wänden sind für die Angebote und Gruppen Ihrer Gemeinde.
  • Der Beamer für eventuelle Projektionen hat einen unauffälligen Platz gefunden ...
 

Raumplan

Einladungen

Nicht zu verachten, sondern besonders zu beachten sind die Einladungen!

Den Gemeindebrief und den Schaukasten können Sie im Blick auf den Erfolg vergessen, jedoch nicht öffentlich übersehen.

Hilfreicher und effektiver sind telefonsche oder e-Mail-Einladungen sowie auch beonders mit der Serienbrieffunktion von WORD persönlich formulierte schriftliche Einladungen an

  • Wählerinnen und Wähler der letzten Wahl: Sie haben ja das Wahlverzeichnis der letzten Wahl - es ist Ihre "Kerntruppe". Die Kirchengemeinde Mahlsdorf bezeichnet die Gemeindeversammlung als "Parlament der Kirchengemeinde und damit eine der wichtigsten Veranstaltungen zur Gestaltung des Gemeindelebens" weiterlesen
  • Konfirmandeneltern
    bitte nicht im Unterricht verteilen, sondern persönlich und schriftlich per Post einladen!
  • Taufeltern der letzten zwei Jahre und Paten vor Ort
    Sie haben ganz sicher die Kontaktdaten gesammelt
  • Kindergarteneltern
    Förderverein nicht vergessen! - Auch wenn Ihr Kindergarten eventuell einem Verbund angehört, haben Sie hoffentlich die Kontaktdaten.
  • neu Zugezogene in den letzten zwei Jahren - meine "Lieblingszielgruppe"
  • Menschen, denen Sie begegnet sind, und die hilfreich sein können für die Entwicklung Ihrer Gemeinde
  • Wählerinnen und Wähler der letzten Wahl zum Presbyterium (Sie haben die Liste doch noch?)
  • Mitarbeitende und besonders Teilnehmende Ihrer Gruppen und Angebote
  • Mitarbeitende der für Ihre Gemeinde zuständigen Abteilung der Kommunalverwaltung und des Parlamentes Ihrer Kommunalgemeinde
  • Pressevertreter

Sie haben Ergänzungen für diese Liste: Lasssen Sie es mich bitte wissen ...

Ich werde es hier veröffentlichen und somit für andere hifreich und unterstützend zugänglich machen.

 

Es ist ein guter Satz der Werbung "Nicht kleckern, sondern klotzen".

Dies gilt auch und besonders für eine Gemeindeversammlung.

 

Und: Etwas Geld für die Kosten sollten Sie schon in die Hand nehmen ...

Euro

Material

Auf den Tischen sollten Informationen zum Mitnehmen liegen sowie Moderationskarten/Zettel und Stifte zum Mitschreiben.

Für jede Ihrer gemeindlichen Angebote gibt es eine landeskirchliche Dienststelle oder Einrichtung, die Material kostenlos zur verfügung stellt. Fordern Sie Informationsmaterial an für Ihre Gemeindeversammlung.

Hilfreich sind auch Flip-Charts mit Filzstiften, auf denen die Teilnehmenden etwas aufschreiben können, was Sie vom Presbyterium wissen möchten:

  • Dem Presbyterium wünsche ich ...
  • Das Presbyterium sollte ...
   

Angebot für Kinder und Jugendliche,
falls die Gemeindeversammlung am Sonntag zur Gottesdienstzeit stattfindet

Auch wenn Film und Fernsehen als "Kinderbetreuung" in den meisten Kirchengemeinden nicht akzeptiert sind, macht es Sinn, während der "Gottesdienstlichen Gemeindeversammlung" ein besonderes Angebot für Kinder und Jugendliche zu machen.

  • Der Kindergarten/Die Kindertagesstätte ist für 2 Stunden geöffnet - Die Leitung ist natürlich in der Gemeindeversammlung ...
  • Geschichten der Bibel für Kinder - siehe rechts
  • Angebot für Jugendliche: Natürlich ist für Jugendliche eine Gemeindeversammlung weder ein "Hammer" noch "cool" - doch ein Angebot werden Sie schon entwickeln ...
 

Die Deutsche Bibelgesellschaft bietet zehn „Geschichten aus der Bibel für Kinder“ an. weiter lesen.

Es öffnet sich ein neues Fenster ...

 

Eine gute Möglichkeit ist auch der Film "Luther".

 

Doch:
Sie und die Mitarbeitenden in der Jugendarbeit wissen am besten, was angeboten werden könnte ...

Abschluss und Weiterarbeit

Am Ende der Gemeindeversammlung ist es ein Zeichen guter Verbundenheit, auf zwei oder drei Mitglieder des Presbyteriums zu treffen, die sich an der Ausgangstür für das Kommen bedanken und einen guten Tag wünschen.

Die Gehendenden könnten gebeten werden, auf einem Flip-Chart ihre Einschätzungen einzutragen:

  • Gut fand ich an dieser Gemeindeversammlung ...
  • Dem Presbyterium wünsche ich ...
  • Das Presbyterium sollte ...

Sie haben natürlich mit dem Presbyterium einen Termin verabredet, um die Erfahrungen der Gottesdienstlichen Gemeindeversammlung mit Markt der Möglichkeiten in unserer Gemeinde auszuwerten.

 

Diese Rolle und Aufgabe können natürlich auch Konfirmanden und Konfirmandinnen übernehmen als Interview vor der Tür:

Dürfen wir Sie kurz etwas  fragen?

  • Was fanden Sie gut an dieser Gemeindeversammlung?
  • Was wünschen Sie dem Presbyterium für die Zukunft?
  • Was sollte das Presbyterium in nächster Zeit dringend entscheiden?

Danke

Sie haben bis hierher gelesen - und denken bestimmt:
Das ist ein Aufwand, den ich nicht leisten kann bzw. den wir nicht schaffen.

Müssen Sie auch nicht:

  • Delegieren ist ja nach 2. Mose 18, 13 ff eine gute Möglichkeit
  • Externe Moderation nutzen ist eine andere Möglichkeit zur Entlastung

 

 

Artikel 35 EKiR Absatz 3
"Die Leitung der Gemeindeversammlung liegt bei der oder dem Vorsitzenden des Presbyteriums. Sie kann vom Presbyterium auch einer anderen Person übertragen werden."

Ich mache das für Sie ... und Sie sind näher an Ihrer Gemeinde.

 

 

 

 

 

 

 

 

Beratung

Go to top